Sonntag, 19. Februar 2006

Rufwort im Koreanischen

- Koreanische ist die Sprache, die zunächst die Beziehung des Gesprächpartners festgestellt werden muss, um überhaupt zueinander sprechen zu können. Wegen der Höflichkeitsform kann sie nicht gesprochen werden, ohne jenes außersprachliche Verhältnis in Regel des Sprechens einbezogen zu werden. In diesem Sprechen spiegelt sich daher das soziale Verhältnis des Menschen ausdrücklich und dermaßen verwurzelt, dass man bloß dem Hören des Gesprächs es raten kann. Da dieses Sprachregel, jene Höflichkeitsform nicht flexible ist, so wie beim Deutschen „Siezen“ und „Duzen“, wobei jenes Sprechen nach dem veränderten Verhältnis der Sprechenden variieren kann, verhindert die koreanische Sprache, die gleiche Personen in anderem sozialen Verhältnis weiter kommunizieren zu können.

- Ohne vorherige Feststellung des sozialen, hierarchischen Verhältnisses des Gesprächpartners kann im Koreanischen nichts gesagt werden. Aus diesem Umstand ergibt sich auch jenes merkwürdigen Phänomen des Rufwortes im Koreanischen. Einen völlig Unbekannten kann das Koreanische nicht als solches rufen. Statt „Hallo“ wie bei anderer Sprachen, das den Unbekannten doch noch als einen sprechenden Mensch ruft, tritt beim Koreanischen eine seltsame räumliche Bezeichnung „Da“. Dieses „Da“, das sich auf den Unbekannten bezieht, den ich durch diesen Rufen auf mich aufmerksam macht, bezeichnet nur das Anwesen des Jemands. Es ist das Wort, das nur den Anwesenden ruft, indem der Rufer selbst sich nicht erscheint.

- Jenes „Da“ bezieht sich nur auf den räumlich, aber nicht menschlich Anwesenden, dessen menschlichen Verhältnisse sich nur auf der Gegenüber zu mir einschränkt. Was ich beim meinen Rufen des Gegenübers kenne, ist, dass jemand da vor mir anwesend ist, aber zu mir in unbestimmbaren Verhältnis steht. Dabei wird der Anspruch der Sprache, das hierarchische Verhältnis des Gegenübers zu mir vor dem Sprechen irgendwie zu bestimmen, verzögert in diesem unbestimmbaren räumlichen Verhältnis.

- Wenn dieser verzögerte Rufen, das sich im Wort „Da“ zeigt, vermeiden will, muss man nun einen vermeintlichen Zuschreiben wagen, den unbekannten Gegenüber zu bekannten Menschengruppe wie Berufe, Alter zuzuordnen. Wie „Schüler“ oder „Onkel, Junger Mann, Alter Mann oder alte Frau“ usw.

- Im Koreanischen fehlt dieses Rufwort nach dem Unbestimmten, anonymen Gerufene. Beim Rufen des Anderen zeigt sich jene Namhaftigkeit der Sprache deutlich. Wer im Koreanischen gerufen wird, muss irgendwie bestimmt werden, sei es beruflich oder nach Alter. Es wird schwierig daher, einen zu rufen, der schwer nach dem Beruf oder Alter zu bestimmen ist. Wie würde Koreaner etwa einen Außerirdischen nennen?

Rufwort im Koreanischen

- Koreanische ist die Sprache, die zunächst die Beziehung des Gesprächpartners festgestellt werden muss, um überhaupt zueinander sprechen zu können. Wegen der Höflichkeitsform kann sie nicht gesprochen werden, ohne jenes außersprachliche Verhältnis in Regel des Sprechens einbezogen zu werden. In diesem Sprechen spiegelt sich daher das soziale Verhältnis des Menschen ausdrücklich und dermaßen verwurzelt, dass man bloß dem Hören des Gesprächs es raten kann. Da dieses Sprachregel, jene Höflichkeitsform nicht flexible ist, so wie beim Deutschen „Siezen“ und „Duzen“, wobei jenes Sprechen nach dem veränderten Verhältnis der Sprechenden variieren kann, verhindert die koreanische Sprache, die gleiche Personen in anderem sozialen Verhältnis weiter kommunizieren zu können.

- Ohne vorherige Feststellung des sozialen, hierarchischen Verhältnisses des Gesprächpartners kann im Koreanischen nichts gesagt werden. Aus diesem Umstand ergibt sich auch jenes merkwürdigen Phänomen des Rufwortes im Koreanischen. Einen völlig Unbekannten kann das Koreanische nicht als solches rufen. Statt „Hallo“ wie bei anderer Sprachen, das den Unbekannten doch noch als einen sprechenden Mensch ruft, tritt beim Koreanischen eine seltsame räumliche Bezeichnung „Da“. Dieses „Da“, das sich auf den Unbekannten bezieht, den ich durch diesen Rufen auf mich aufmerksam macht, bezeichnet nur das Anwesen des Jemands. Es ist das Wort, das nur den Anwesenden ruft, indem der Rufer selbst sich nicht erscheint.

- Jenes „Da“ bezieht sich nur auf den räumlich, aber nicht menschlich Anwesenden, dessen menschlichen Verhältnisse sich nur auf der Gegenüber zu mir einschränkt. Was ich beim meinen Rufen des Gegenübers kenne, ist, dass jemand da vor mir anwesend ist, aber zu mir in unbestimmbaren Verhältnis steht. Dabei wird der Anspruch der Sprache, das hierarchische Verhältnis des Gegenübers zu mir vor dem Sprechen irgendwie zu bestimmen, verzögert in diesem unbestimmbaren räumlichen Verhältnis.

- Wenn dieser verzögerte Rufen, das sich im Wort „Da“ zeigt, vermeiden will, muss man nun einen vermeintlichen Zuschreiben wagen, den unbekannten Gegenüber zu bekannten Menschengruppe wie Berufe, Alter zuzuordnen. Wie „Schüler“ oder „Onkel, Junger Mann, Alter Mann oder alte Frau“ usw.

- Im Koreanischen fehlt dieses Rufwort nach dem Unbestimmten, anonymen Gerufene. Beim Rufen des Anderen zeigt sich jene Namhaftigkeit der Sprache deutlich. Wer im Koreanischen gerufen wird, muss irgendwie bestimmt werden, sei es beruflich oder nach Alter. Es wird schwierig daher, einen zu rufen, der schwer nach dem Beruf oder Alter zu bestimmen ist. Wie würde Koreaner etwa einen Außerirdischen nennen?

Samstag, 18. Februar 2006

Mohammed Bilder sind keine Karikaturen

Den veröffentlichen Mohammed Bilder Ihnen fehlt eine wichtigste Bedingung, die ein Bild zu Karikaturen oder Satire macht ; Karikaturen oder kynetische Satire kommt aus der unteren Position gegen die oberen. Von machtlosen Völkern gegen Mächte, von jünger Generation gegen führende Generation, von Aussenseiter gegen etablierten Inneren usw.

Nur so macht eine Satire oder Karikature die bestehende Machtverhältnisse lächerlich und drückt dadurch jenen Pathos des Unterdrückten, des Gedrängten. Wenn dies fehlt oder dieses Verhältnis umgedreht, wird "Satire" oder "Karikaturen" nicht mehr zum machtsprengenden Lachen, sondern Ausdruck des hochmütigen Überlegenheitspropaganda und der Verachtung des Dargestellten. Wie die die 'karikaturisch' gezeigten Judenporträt in Nazi-Zeit, die in allen Zeitschrift und Bücher zu sehen waren, keine Karikature, sondern ein kultureller Beitrag zur Vertreibung und schließlich Vernichtung der Juden waren.

Die Mohammed Karikaturen, die von Europäer gegenüber den Islamisten gerichtet wurden, die zur Zeit unter schwierigem Allgemeinverdacht standen, die von westlicher Welt immer als "mögliche Terroristen" überall auf der Welt verachtet, ja gefürchtet werden, sind nicht unter der "Meinungsfreiheit" zu verstehen. Sie wirken propagandisch und predigen Verachtung und Hass gegenüber den Muslimen.

Mohammed Bilder sind keine Karikaturen

Den veröffentlichen Mohammed Bilder Ihnen fehlt eine wichtigste Bedingung, die ein Bild zu Karikaturen oder Satire macht ; Karikaturen oder kynetische Satire kommt aus der unteren Position gegen die oberen. Von machtlosen Völkern gegen Mächte, von jünger Generation gegen führende Generation, von Aussenseiter gegen etablierten Inneren usw.

Nur so macht eine Satire oder Karikature die bestehende Machtverhältnisse lächerlich und drückt dadurch jenen Pathos des Unterdrückten, des Gedrängten. Wenn dies fehlt oder dieses Verhältnis umgedreht, wird "Satire" oder "Karikaturen" nicht mehr zum machtsprengenden Lachen, sondern Ausdruck des hochmütigen Überlegenheitspropaganda und der Verachtung des Dargestellten. Wie die die 'karikaturisch' gezeigten Judenporträt in Nazi-Zeit, die in allen Zeitschrift und Bücher zu sehen waren, keine Karikature, sondern ein kultureller Beitrag zur Vertreibung und schließlich Vernichtung der Juden waren.

Die Mohammed Karikaturen, die von Europäer gegenüber den Islamisten gerichtet wurden, die zur Zeit unter schwierigem Allgemeinverdacht standen, die von westlicher Welt immer als "mögliche Terroristen" überall auf der Welt verachtet, ja gefürchtet werden, sind nicht unter der "Meinungsfreiheit" zu verstehen. Sie wirken propagandisch und predigen Verachtung und Hass gegenüber den Muslimen.

Donnerstag, 2. Februar 2006

Fremdsein in Fremdwelt: Eine Überlegung


- Eine Begegnung des Menschen findet immer in einem sozialen Raum statt, wo eine Menge des kulturellen Codes dafür sorgen, dass der Begegnete zunächst unter einem wohl vertrauten Schema subsumiert wird. Beim Begegnen des Menschen, so der französische Anthropologe Marcel Mauss, werden wir alle Anthropologe, der seinen Begegnete als einen Repräsentative einer Gruppe betrachtet, sei es von Ethnien, Religion, Nation oder Geschlecht, wo er zugehört. Wie er aussieht, wie er sich verhält, was er sagt, registrieren wir als eine exemplarische Eigenschaft dieser Gruppe, die z.B., von Russen, Chinesen, Deutsche oder Araber, oder die von Muslimen, Westlichen, und auch die von Männer und Frauen. Der Begegnete erscheint uns dadurch als ‚Durchschnittsmensch’, als ein Exemplar, das sein ethnisches, nationales, religiöses, kulturelles und auch geschlechtliches Kollektivum vertritt.

- Am Anfang begegnen wir uns miteinander nur als Kollektivum. Wir werden fast zwangsläufig in eine vertretende Rolle unserer Gruppe versetzt, welche Gruppe sie auch immer, nehmen wir den Anderen auch als Vertreter seiner Gruppe wahr. Es dauert eine lange Zeit und braucht eine wechselseitige Bemühung, bis wir den anderen Mensch, den wir treffen, aus seiner Vertreterrolle zu befreien und ihn als ein einzigartiges Individuum mit seinem eigenen Charakter und Geschichte zu betrachten.

- Es gibt keine Orte, die von jenem Vorwissen zur Gruppierung, Kategorisierung des begegneten Menschen vollkommen frei sind, wo die Menschen dem anderen Mensch von Anfang an bloß als ‚ein nackter Mensch’ begegnen, der ohne seine Zugehörigkeit zum Kollektiven wie Rasse, Nationalität, Religion und Geschlecht da steht. Unter diesem Unstande leidet der Fremde am meisten. Denn die Unterscheidung von Fremde/Vertraute ist aller erste Kategorie, die beim Begegnen des Menschen sich einschaltet. Man unterscheidet sich von Fremden, weil nur dadurch seine eigene Identität entsteht und erhalten wird. Das Fremde ist demnach ein relativer Begriff. Es gibt kein absolutes, radikales Fremde. Es entsteht, wo die Unterscheidensmechanismen des Eigenen vom Fremden, des Inneren vom Außen aktiviert ist. Solange diese Mechanismen existiert und sich reproduziert, produziert wird das Fremde unaufhörlich, denn Fremde ist ein Nebenprodukt des Eigenen.

- Gerade deswegen ist dem Fremder vergeblich, sich als Nicht-Fremde anzugeben und so zu verhalten. Das Fremdsein des Fremder hängt nicht von seinem Willen ab. Es ist Folge verschiedener Faktoren, die zwar der Fremde selbst hervorruft, aber über deren Funktionieren er nicht verfügt. Zwei wichtige von denen sind Körper und Sprache.


Körper


- Körper ist der erste Signal überhaupt, den wir beim Treffen des Menschen empfangen. Wir nehmen allererst den Körper des Begegneten wahr, bevor wir mit ihm in irgend eine Kommunikation eintreten. Wir lesen aus dem begegneten Körper heraus, ob er Frau oder Mann ist, ob er jung oder alt ist, ob seine Haut dunkel oder weis ist und nach diesem primären Erkenntnis konfigurieren wir unsere Haltung gegenüber ihm vor. Die Begegnung mit Anderem orientiert sich an dieser Vorbestimmung, die von einer Menge des soziokulturellen Vorwissen aktiviert wird. Sie werden durch weitere Kommunikation entweder korrigiert oder verstärkt. So prägt der Körper die erste Begegnung des Menschen vor. Wenn der Körper des Gegenübers etwa anders aussieht als unserer, dann entsteht die erste Kategorisierung des begegnenden Menschen ; der Fremden. Die Andersheit des Körpers ist das erste Zeichen des Fremden. Durch Wahrnehmung des Körpers erkennen wir einen als Fremder oder wir werden selbst als Fremder erkannt.

- Historisch gesehen war die physiognomische Andersheit des Fremden immer das Zeichen kultureller Alterität. Die Unterscheidung des Eigenen vom Fremden fand im wesentlichen durch Hinweise auf die andere Physiognomie des Fremden statt.[1] Wenn dieses Fremdbild von Überlegenheit des Eigenen vorgezeichnet ist, wird die Physiognomie des Fremden in jeder Hinsicht abgewertet. Als der Kaiser des Deutschen Reichs im 12. Jahrhundert Otto von Freising mit Erkundigung des Nachbarlands Ungarn beauftragte, schockierte die Hässlichkeit der Ungarn den stolzen Reichsbürger; „Diese Ungarn haben ein hässliches Gesicht mit tiefgreifenden Augen, von Wuchs sind sie klein, in Sitten und Sprache wilde Barbaren und man muss mit Recht das Schicksal tadeln oder sich vielmehr über die göttliche Duldsamkeit wundern, die dieses schöne Land diesem menschlichen Scheusalen – denn Menschen kann man sie nicht nennen – ausgeliefert hat.“[2]

· So dient die andere Physiognomie des Fremden zur Positionierung des Eigenen als Überlegene und gleichzeitig zur Bestätigung des Gegensatzes der Zivilisierten des Eigenen zu Fremden Barbaren. Daraus folgt die abwertende Wahrnehmung des Fremden, nicht nur in ästhetischer Hinsicht, sondern auch sittlich und moralisch. Afrikaner, z.B., die Europa als erste „Barbaren“ entdeckt hatten, galten in Abendland bis zu moderner Zeit entweder als Nachkommen des Kains, weil sie schwarz sind wie Kainsmal, oder als Nachkommen von Noahs Sohn Ham, der schamlos seinen volltrunkenen Vater nackt sieht[3]. Die immer wieder auftauchende Assoziation, die Afrikaner mit sexueller Ungezügeltheit verbindet, hat hier ihren Ursprung.

- Die Aufwertung des Eigenen durch abwertende Wahrnehmung des fremden Körpers war aber beim europäischen Begegnen mit Asiaten auch im Gange. Wilhelm von Rubruck, der im 13. Jahrhundert als Informant nach Mongolei geschickt worden war, schockierte sich ebenso von der Hässlichkeit der Mongolen.; „Die hier lebenden Leute waren von einer so abgrundtiefen Hässlichkeit, das es uns vorkam, als seien sie alle mit Aussatz behaftet.“[4] „Von Frauen glaubte ich tatsächlich, dass sie sich die Nase zwischen den Augen abgeschnitten hätte, um ein ganz plattes Gesicht zu haben. Ihr fehlte fast die ganze Nase. Dafür hatte sie die betreffende Stelle und auch ihre Augenbrauen mit irgendeiner schwarzen Salbe beschmiert – ein für unsere Augen grässlicher Anblick.“[5]

- Bis zu moderner Zeit spielte die Physiognomie des Fremden dieselbe Rolle. Johann Caspar Lavater, der Gründer moderner Physiognomie des 18. Jahrhunderts, liest in Physiognomie des Chinesen die Eigenschaften von Lügner, Dieb und Schmeichler heraus. : „Die missproportionierte Breite des oberen Schädels, das einwärts sich Senkende unter dem Haarzopf; die Höhe der schwachen Augenbraune über dem Auge – die beinahe, gänzliche Unsichtbarkeit des oberen Augenlieds; die Nähe des Auges am Umrisse der Nasenwurzel; die Kleinheit und das Aufwärtsgehende der Nase; und die Länge der Oberlippe – verglichen mit dem Unterteile der Nase und besonders das beinahe ungeheuer große Ohr sind alles charakteristische Züge seiner Nation.....(Er) gleicht im niedrigen Moralischen dem Mohren (Afrikaner), ist geil, diebisch, rachgierig, Lügner und Schmeichler.“[6]

- Wir wissen aus Geschichte des Nazi-Deutschlands, wie effektvoll solche Physiognomie des Anderen zur Aussonderung und schließlich Beseitigung des Fremden beitragen konnte. Den Juden, die die Deutschen nach hundertsjährigem Zusammenleben plötzlich von sich zu unterscheiden begannen, wurden alle physiognomischen Negativums des Fremden zugeschrieben; die überproportionale Köpfe, übergroße Hakennasen und großen Ohren und sogar die dunkle Haut, die die Juden mit ohnehin verachteten Schwarzen in Verbindung brachte. Aus solcher Physiognomie des Juden, die in fast jedem Geschichtsbuch, in Bildbänden und Zeitschrift präsent war, entwickelte sich schließlich ein wissenschaftliches Projekt, Juden von Arier zu unterscheiden. Man versuchte, Juden durch ihre physiognomischen Merkmale wie Form des Schädels, Körpers zu erkennen, die von Chirurgie sowie Ethnologie, die damals deutsche Volkskunde hieß, wissenschaftlich herausgesucht hatten.

- Wenn es auch nicht so schlimm ist, existiert doch noch der Blick des Eigenen, der durch Hinweise auf andere Physiognomie sich vom Fremden unterscheiden will. Der Fremde, der in diesem Blickfeld befangen wird, wird nun gezwungen zu einer unwillkürlichen Objektivation seines Fremdseins, bloß durch seinen Körper. Ganz gleichgültig davon, was er tut, wie er sich verhält, verrät sein Körper unablässig, dass er hier Fremd ist. Er kann niemals anonym und unauffällig bleiben, solange sein Körper da anwesend ist. Bloß seine Anwesenheit ruft bei Einheimischen ein Bild von Fremder hervor, dessen Inhalt und Effekte ganz und gar nicht unter seiner Kontrolle stehen. Und es begleitet ihn jederzeit in jeder Ort, in denen er sich befindet, bestimmt die Einstellung des Menschen zu ihm und gleichzeitig schränkt den Rahmen seiner Handlungen ein.


Sprache

- Um in einem fremden Land zu überleben, sei es als Einwanderer, Arbeiter oder Studierende, muss der Fremde dessen Sprache erlernen, wer ihn als Fremder bezeichnet. Diese Fremdsprache ist erforderlich, um der Fremde sich selbst überhaupt als sprechende Menschen anzugeben. Je höher das Niveau dieses Sprechenskönnens, desto höher wird der Überlebenschance des Fremden in einem fremden Land.

· Da die Sprache, die Fremder sprechen muss, die Sprache des Einheimischen ist, kann er sie nur lernen, indem er die Einheimische imitiert und nachahmt. Der Fremde muss ein guter Imitator des Einheimischen sein, um in ihrem Land gut zu überleben. Ein gutes Sprechen, so wissen wir alle, besteht aber nicht nur aus Vielzahl der gepaukten Wörtern, sondern aus passender Aussprache, sowie Gestik und Mimik, also die Sprache des Körpers. Der Fremde, der wie Einheimische sprechen will, muss sich daher nicht nur sprachlich, sondern auch körperlich in einen guten Nachahmer des Einheimischen verwandeln.

· Wie würden die Einheimischen denn solchen nachahmenden Fremder empfinden? Wie kommen diese imitierenden Fremde den imitierten Einheimischen vor? Am Ende des 19. Jahrhunderts, nach dem Opiumkrieg die europäischen Einbrüche in China einen höchsten Punkt erreichten, fing auch die erste Einwanderung der Chinesen nach England und Amerika an. Die Chinesen, die zum Überleben im feindlich fremden Land möglichst schnell die Einheimischen nachahmen mussten, waren auch die beliebtesten Figuren im damaligen euro-amerikanischen Theater. Dort wurden sie repräsentiert als schlechte Nachahmer, die mit komischem Akzent und merkwürdigem Staccato „gebrochenes Englisch“ sprechen. Sie begeben einfachste Fehler immer wieder und konnten nicht einmal einen kompletten Satz aussprechen. Sie waren auch nicht in der Lage, das erste Person Nominativ „I“ zu sagen, wenn sie auf sich selbst hinweisen wollten, stattdessen bezeichneten sie selbst immer mit dem Akkusativen „me“, als ein passives Subjekt, das nur von anderem gerufen wird und nicht aber aktiv sich selbst behaupten kann.[7]

· Diese Fremder als schlechte Nachahmer, die noch heutzutage nicht selten etwa in Komödiesendungen zu sehen sind, objektivieren ihres Fremdsein, indem sie sprechen. Das Sprechen des Fremden, das holpert wie alter Trabi, das sich mit Fehler und Akzente befleckt, ist der heimliche Verräter des Fremden. Wenn auch sein Körper so wenig wie Fremder aussieht, enthüllt sich doch das Fremdsein des Fremder, indem er spricht. Es ist ein merkwürdiger Paradox, dass man sich als Fremder aufzeigen muss, obwohl er durch Sprechen gerade sich um Verständigen und Vereinigen mit Einheimischen bemüht. Sein Sprechen, das einzige Mittel des Menschen, gewaltfrei eine Gemeinsamkeit zu bilden, demonstriert immer seine Differenz.

- Eine Sprache ist, so Wittgenstein, eine Form des Lebens. Sie enthält nicht bloß bestimmte Vokabulare oder einen bestimmten grammatischen Regel. In ihr verbirgt sich vielmehr ein kollektives Gedächtnis einer Sprachgemeinschaft, die nicht „mit der Sprache“, sondern „in der Sprache“ hindurch eine bestimmte Form des Lebens entwickelt hat. Diese Form des Lebens kann nur erlernt werden, indem man lange und intensiv genug „in der Sprache“ selbst lebt. Aus diesem Grund ist der Fremder, der Fremdsprache spricht, dem Risiko ausgesetzt, missverstanden zu werden. Die Sprache, die er spricht, bestimmt nicht nur, was und wovon man spricht, sondern auch wie man es zum Ausdruck bringt, um Anderen sein Inneres verständlich zu machen. Fremder, der sich an der verschiedenen Art der Mitteilungen des Sprechens nicht genug gewöhnt ist und daher jene Sprache nur noch „auf seiner eigenen Weise“ spricht, wirkt manchmal befremdend, unfreundlich, gar aggressiv.

- Was würde es passieren, wenn ein Fremder, der sich all dieser Formen und Art des Sprechens mit subtilen Nuancen nicht genug gewöhnt ist und daher sein Sprechen dem Einheimischen immer wieder einen Eindruck der Unfreundlichkeit, Aggressivität hinterlassen würde? Wenn ein ausländischer Verbrecher, der mit seiner holprigen Sprache und befremdender Gestik und Mimik vor den einheimischen Richtern sowie Medien kein Zeichen von Reue, Schuldgefühl und Trauer auszudrücken vermag und demnach als unverschämt, heimtückisch, unerbitterlich empfunden würde? Sicher ist es ein übertriebenes Denkspiel, stimmt doch es aber auch, dass es der Fremder ist, der unter Umstände allererst unter allgemeinen Verdacht gezogen wird.

- Doch eben diese Sprache verleiht aber dem Fremden eine magische Fähigkeit, alle Barriere der Wirklichkeit hinaus sich eine grenzübergreifende Begegnung zu schaffen. Gerade mit dieser Sprache des Einheimischen, in dessen Land er Fremder ist, verständigen sich die Fremder miteinander, die in einem gemeinsamen fremdem Land leben. Die Menschen, die wir uns nirgendwo sonst hätten treffen können, geschweige denn miteinander zu reden, sei es wegen geographischer Entfernung, politischer Auseinandersetzung, kulturellen oder religiösen Unterschiede, begegnen sich in einem fremden Land und bilden eine seltsame Solidarität, indem sie eben auf der Sprache sprechen, die ihnen fremd ist. Diese Fremdsprache erweist sich nun als Lingua Universalis, eine magische Universalsprache, die die verschiedensten Menschen aus aller Welt sich kommunizieren lässt, verwandelt das Fremdenland, wo sie gerade leben, in eine gemeinsame Welt vor sprachlicher Verstreuung des Babels.

[1] Ralf Mitsch : Körper als Zeichenträger kultureller Alterität. Zur Wahrnehmung und Darstellung fremder Kultur in mittelalterlichen Quellen. In Fremdkörper – Fremde Körper – Körperfremde. (hg) von Burkhardt Krause, Stuttgart 1992. S. 73.
[2] Otto von Freising, Gesta Frederici seu rectius Cronica, Hg. Von F.J. Scemale : Ausgewählte Quellen zur deutshcen Geshichte des Mittelalters, 17, 1 I, S.193.
[3] Andreas Mielke : Nigra sum et formosa. Afrikanerinnnen in der deutschen Literatur des Mittelalters, 1992 Stuttgart, 72.
[4] Wilhelm von Rubruck : Reise zum Großkhan der Mongolen. Von Konstantinopel nach Karakorum, 1253-1255, S.69
[5] Wilhelm von Rubruck : Reise zum Großkhan der Mongolen. Von Konstantinopel nach Karakorum, 1253-1255, S.64.
[6] Johann Caspar Lavater : Physiognomische Fragmente, 1775, Reclam, S.325.
[7] Dave Williams : Misreading the Chinese Character. Images of the Chinese in Euroamerican Drama to 1925, Newyork 2000, S.190.

Fremdsein in Fremdwelt: Eine Überlegung


- Eine Begegnung des Menschen findet immer in einem sozialen Raum statt, wo eine Menge des kulturellen Codes dafür sorgen, dass der Begegnete zunächst unter einem wohl vertrauten Schema subsumiert wird. Beim Begegnen des Menschen, so der französische Anthropologe Marcel Mauss, werden wir alle Anthropologe, der seinen Begegnete als einen Repräsentative einer Gruppe betrachtet, sei es von Ethnien, Religion, Nation oder Geschlecht, wo er zugehört. Wie er aussieht, wie er sich verhält, was er sagt, registrieren wir als eine exemplarische Eigenschaft dieser Gruppe, die z.B., von Russen, Chinesen, Deutsche oder Araber, oder die von Muslimen, Westlichen, und auch die von Männer und Frauen. Der Begegnete erscheint uns dadurch als ‚Durchschnittsmensch’, als ein Exemplar, das sein ethnisches, nationales, religiöses, kulturelles und auch geschlechtliches Kollektivum vertritt.

- Am Anfang begegnen wir uns miteinander nur als Kollektivum. Wir werden fast zwangsläufig in eine vertretende Rolle unserer Gruppe versetzt, welche Gruppe sie auch immer, nehmen wir den Anderen auch als Vertreter seiner Gruppe wahr. Es dauert eine lange Zeit und braucht eine wechselseitige Bemühung, bis wir den anderen Mensch, den wir treffen, aus seiner Vertreterrolle zu befreien und ihn als ein einzigartiges Individuum mit seinem eigenen Charakter und Geschichte zu betrachten.

- Es gibt keine Orte, die von jenem Vorwissen zur Gruppierung, Kategorisierung des begegneten Menschen vollkommen frei sind, wo die Menschen dem anderen Mensch von Anfang an bloß als ‚ein nackter Mensch’ begegnen, der ohne seine Zugehörigkeit zum Kollektiven wie Rasse, Nationalität, Religion und Geschlecht da steht. Unter diesem Unstande leidet der Fremde am meisten. Denn die Unterscheidung von Fremde/Vertraute ist aller erste Kategorie, die beim Begegnen des Menschen sich einschaltet. Man unterscheidet sich von Fremden, weil nur dadurch seine eigene Identität entsteht und erhalten wird. Das Fremde ist demnach ein relativer Begriff. Es gibt kein absolutes, radikales Fremde. Es entsteht, wo die Unterscheidensmechanismen des Eigenen vom Fremden, des Inneren vom Außen aktiviert ist. Solange diese Mechanismen existiert und sich reproduziert, produziert wird das Fremde unaufhörlich, denn Fremde ist ein Nebenprodukt des Eigenen.

- Gerade deswegen ist dem Fremder vergeblich, sich als Nicht-Fremde anzugeben und so zu verhalten. Das Fremdsein des Fremder hängt nicht von seinem Willen ab. Es ist Folge verschiedener Faktoren, die zwar der Fremde selbst hervorruft, aber über deren Funktionieren er nicht verfügt. Zwei wichtige von denen sind Körper und Sprache.


Körper


- Körper ist der erste Signal überhaupt, den wir beim Treffen des Menschen empfangen. Wir nehmen allererst den Körper des Begegneten wahr, bevor wir mit ihm in irgend eine Kommunikation eintreten. Wir lesen aus dem begegneten Körper heraus, ob er Frau oder Mann ist, ob er jung oder alt ist, ob seine Haut dunkel oder weis ist und nach diesem primären Erkenntnis konfigurieren wir unsere Haltung gegenüber ihm vor. Die Begegnung mit Anderem orientiert sich an dieser Vorbestimmung, die von einer Menge des soziokulturellen Vorwissen aktiviert wird. Sie werden durch weitere Kommunikation entweder korrigiert oder verstärkt. So prägt der Körper die erste Begegnung des Menschen vor. Wenn der Körper des Gegenübers etwa anders aussieht als unserer, dann entsteht die erste Kategorisierung des begegnenden Menschen ; der Fremden. Die Andersheit des Körpers ist das erste Zeichen des Fremden. Durch Wahrnehmung des Körpers erkennen wir einen als Fremder oder wir werden selbst als Fremder erkannt.

- Historisch gesehen war die physiognomische Andersheit des Fremden immer das Zeichen kultureller Alterität. Die Unterscheidung des Eigenen vom Fremden fand im wesentlichen durch Hinweise auf die andere Physiognomie des Fremden statt.[1] Wenn dieses Fremdbild von Überlegenheit des Eigenen vorgezeichnet ist, wird die Physiognomie des Fremden in jeder Hinsicht abgewertet. Als der Kaiser des Deutschen Reichs im 12. Jahrhundert Otto von Freising mit Erkundigung des Nachbarlands Ungarn beauftragte, schockierte die Hässlichkeit der Ungarn den stolzen Reichsbürger; „Diese Ungarn haben ein hässliches Gesicht mit tiefgreifenden Augen, von Wuchs sind sie klein, in Sitten und Sprache wilde Barbaren und man muss mit Recht das Schicksal tadeln oder sich vielmehr über die göttliche Duldsamkeit wundern, die dieses schöne Land diesem menschlichen Scheusalen – denn Menschen kann man sie nicht nennen – ausgeliefert hat.“[2]

· So dient die andere Physiognomie des Fremden zur Positionierung des Eigenen als Überlegene und gleichzeitig zur Bestätigung des Gegensatzes der Zivilisierten des Eigenen zu Fremden Barbaren. Daraus folgt die abwertende Wahrnehmung des Fremden, nicht nur in ästhetischer Hinsicht, sondern auch sittlich und moralisch. Afrikaner, z.B., die Europa als erste „Barbaren“ entdeckt hatten, galten in Abendland bis zu moderner Zeit entweder als Nachkommen des Kains, weil sie schwarz sind wie Kainsmal, oder als Nachkommen von Noahs Sohn Ham, der schamlos seinen volltrunkenen Vater nackt sieht[3]. Die immer wieder auftauchende Assoziation, die Afrikaner mit sexueller Ungezügeltheit verbindet, hat hier ihren Ursprung.

- Die Aufwertung des Eigenen durch abwertende Wahrnehmung des fremden Körpers war aber beim europäischen Begegnen mit Asiaten auch im Gange. Wilhelm von Rubruck, der im 13. Jahrhundert als Informant nach Mongolei geschickt worden war, schockierte sich ebenso von der Hässlichkeit der Mongolen.; „Die hier lebenden Leute waren von einer so abgrundtiefen Hässlichkeit, das es uns vorkam, als seien sie alle mit Aussatz behaftet.“[4] „Von Frauen glaubte ich tatsächlich, dass sie sich die Nase zwischen den Augen abgeschnitten hätte, um ein ganz plattes Gesicht zu haben. Ihr fehlte fast die ganze Nase. Dafür hatte sie die betreffende Stelle und auch ihre Augenbrauen mit irgendeiner schwarzen Salbe beschmiert – ein für unsere Augen grässlicher Anblick.“[5]

- Bis zu moderner Zeit spielte die Physiognomie des Fremden dieselbe Rolle. Johann Caspar Lavater, der Gründer moderner Physiognomie des 18. Jahrhunderts, liest in Physiognomie des Chinesen die Eigenschaften von Lügner, Dieb und Schmeichler heraus. : „Die missproportionierte Breite des oberen Schädels, das einwärts sich Senkende unter dem Haarzopf; die Höhe der schwachen Augenbraune über dem Auge – die beinahe, gänzliche Unsichtbarkeit des oberen Augenlieds; die Nähe des Auges am Umrisse der Nasenwurzel; die Kleinheit und das Aufwärtsgehende der Nase; und die Länge der Oberlippe – verglichen mit dem Unterteile der Nase und besonders das beinahe ungeheuer große Ohr sind alles charakteristische Züge seiner Nation.....(Er) gleicht im niedrigen Moralischen dem Mohren (Afrikaner), ist geil, diebisch, rachgierig, Lügner und Schmeichler.“[6]

- Wir wissen aus Geschichte des Nazi-Deutschlands, wie effektvoll solche Physiognomie des Anderen zur Aussonderung und schließlich Beseitigung des Fremden beitragen konnte. Den Juden, die die Deutschen nach hundertsjährigem Zusammenleben plötzlich von sich zu unterscheiden begannen, wurden alle physiognomischen Negativums des Fremden zugeschrieben; die überproportionale Köpfe, übergroße Hakennasen und großen Ohren und sogar die dunkle Haut, die die Juden mit ohnehin verachteten Schwarzen in Verbindung brachte. Aus solcher Physiognomie des Juden, die in fast jedem Geschichtsbuch, in Bildbänden und Zeitschrift präsent war, entwickelte sich schließlich ein wissenschaftliches Projekt, Juden von Arier zu unterscheiden. Man versuchte, Juden durch ihre physiognomischen Merkmale wie Form des Schädels, Körpers zu erkennen, die von Chirurgie sowie Ethnologie, die damals deutsche Volkskunde hieß, wissenschaftlich herausgesucht hatten.

- Wenn es auch nicht so schlimm ist, existiert doch noch der Blick des Eigenen, der durch Hinweise auf andere Physiognomie sich vom Fremden unterscheiden will. Der Fremde, der in diesem Blickfeld befangen wird, wird nun gezwungen zu einer unwillkürlichen Objektivation seines Fremdseins, bloß durch seinen Körper. Ganz gleichgültig davon, was er tut, wie er sich verhält, verrät sein Körper unablässig, dass er hier Fremd ist. Er kann niemals anonym und unauffällig bleiben, solange sein Körper da anwesend ist. Bloß seine Anwesenheit ruft bei Einheimischen ein Bild von Fremder hervor, dessen Inhalt und Effekte ganz und gar nicht unter seiner Kontrolle stehen. Und es begleitet ihn jederzeit in jeder Ort, in denen er sich befindet, bestimmt die Einstellung des Menschen zu ihm und gleichzeitig schränkt den Rahmen seiner Handlungen ein.


Sprache

- Um in einem fremden Land zu überleben, sei es als Einwanderer, Arbeiter oder Studierende, muss der Fremde dessen Sprache erlernen, wer ihn als Fremder bezeichnet. Diese Fremdsprache ist erforderlich, um der Fremde sich selbst überhaupt als sprechende Menschen anzugeben. Je höher das Niveau dieses Sprechenskönnens, desto höher wird der Überlebenschance des Fremden in einem fremden Land.

· Da die Sprache, die Fremder sprechen muss, die Sprache des Einheimischen ist, kann er sie nur lernen, indem er die Einheimische imitiert und nachahmt. Der Fremde muss ein guter Imitator des Einheimischen sein, um in ihrem Land gut zu überleben. Ein gutes Sprechen, so wissen wir alle, besteht aber nicht nur aus Vielzahl der gepaukten Wörtern, sondern aus passender Aussprache, sowie Gestik und Mimik, also die Sprache des Körpers. Der Fremde, der wie Einheimische sprechen will, muss sich daher nicht nur sprachlich, sondern auch körperlich in einen guten Nachahmer des Einheimischen verwandeln.

· Wie würden die Einheimischen denn solchen nachahmenden Fremder empfinden? Wie kommen diese imitierenden Fremde den imitierten Einheimischen vor? Am Ende des 19. Jahrhunderts, nach dem Opiumkrieg die europäischen Einbrüche in China einen höchsten Punkt erreichten, fing auch die erste Einwanderung der Chinesen nach England und Amerika an. Die Chinesen, die zum Überleben im feindlich fremden Land möglichst schnell die Einheimischen nachahmen mussten, waren auch die beliebtesten Figuren im damaligen euro-amerikanischen Theater. Dort wurden sie repräsentiert als schlechte Nachahmer, die mit komischem Akzent und merkwürdigem Staccato „gebrochenes Englisch“ sprechen. Sie begeben einfachste Fehler immer wieder und konnten nicht einmal einen kompletten Satz aussprechen. Sie waren auch nicht in der Lage, das erste Person Nominativ „I“ zu sagen, wenn sie auf sich selbst hinweisen wollten, stattdessen bezeichneten sie selbst immer mit dem Akkusativen „me“, als ein passives Subjekt, das nur von anderem gerufen wird und nicht aber aktiv sich selbst behaupten kann.[7]

· Diese Fremder als schlechte Nachahmer, die noch heutzutage nicht selten etwa in Komödiesendungen zu sehen sind, objektivieren ihres Fremdsein, indem sie sprechen. Das Sprechen des Fremden, das holpert wie alter Trabi, das sich mit Fehler und Akzente befleckt, ist der heimliche Verräter des Fremden. Wenn auch sein Körper so wenig wie Fremder aussieht, enthüllt sich doch das Fremdsein des Fremder, indem er spricht. Es ist ein merkwürdiger Paradox, dass man sich als Fremder aufzeigen muss, obwohl er durch Sprechen gerade sich um Verständigen und Vereinigen mit Einheimischen bemüht. Sein Sprechen, das einzige Mittel des Menschen, gewaltfrei eine Gemeinsamkeit zu bilden, demonstriert immer seine Differenz.

- Eine Sprache ist, so Wittgenstein, eine Form des Lebens. Sie enthält nicht bloß bestimmte Vokabulare oder einen bestimmten grammatischen Regel. In ihr verbirgt sich vielmehr ein kollektives Gedächtnis einer Sprachgemeinschaft, die nicht „mit der Sprache“, sondern „in der Sprache“ hindurch eine bestimmte Form des Lebens entwickelt hat. Diese Form des Lebens kann nur erlernt werden, indem man lange und intensiv genug „in der Sprache“ selbst lebt. Aus diesem Grund ist der Fremder, der Fremdsprache spricht, dem Risiko ausgesetzt, missverstanden zu werden. Die Sprache, die er spricht, bestimmt nicht nur, was und wovon man spricht, sondern auch wie man es zum Ausdruck bringt, um Anderen sein Inneres verständlich zu machen. Fremder, der sich an der verschiedenen Art der Mitteilungen des Sprechens nicht genug gewöhnt ist und daher jene Sprache nur noch „auf seiner eigenen Weise“ spricht, wirkt manchmal befremdend, unfreundlich, gar aggressiv.

- Was würde es passieren, wenn ein Fremder, der sich all dieser Formen und Art des Sprechens mit subtilen Nuancen nicht genug gewöhnt ist und daher sein Sprechen dem Einheimischen immer wieder einen Eindruck der Unfreundlichkeit, Aggressivität hinterlassen würde? Wenn ein ausländischer Verbrecher, der mit seiner holprigen Sprache und befremdender Gestik und Mimik vor den einheimischen Richtern sowie Medien kein Zeichen von Reue, Schuldgefühl und Trauer auszudrücken vermag und demnach als unverschämt, heimtückisch, unerbitterlich empfunden würde? Sicher ist es ein übertriebenes Denkspiel, stimmt doch es aber auch, dass es der Fremder ist, der unter Umstände allererst unter allgemeinen Verdacht gezogen wird.

- Doch eben diese Sprache verleiht aber dem Fremden eine magische Fähigkeit, alle Barriere der Wirklichkeit hinaus sich eine grenzübergreifende Begegnung zu schaffen. Gerade mit dieser Sprache des Einheimischen, in dessen Land er Fremder ist, verständigen sich die Fremder miteinander, die in einem gemeinsamen fremdem Land leben. Die Menschen, die wir uns nirgendwo sonst hätten treffen können, geschweige denn miteinander zu reden, sei es wegen geographischer Entfernung, politischer Auseinandersetzung, kulturellen oder religiösen Unterschiede, begegnen sich in einem fremden Land und bilden eine seltsame Solidarität, indem sie eben auf der Sprache sprechen, die ihnen fremd ist. Diese Fremdsprache erweist sich nun als Lingua Universalis, eine magische Universalsprache, die die verschiedensten Menschen aus aller Welt sich kommunizieren lässt, verwandelt das Fremdenland, wo sie gerade leben, in eine gemeinsame Welt vor sprachlicher Verstreuung des Babels.

[1] Ralf Mitsch : Körper als Zeichenträger kultureller Alterität. Zur Wahrnehmung und Darstellung fremder Kultur in mittelalterlichen Quellen. In Fremdkörper – Fremde Körper – Körperfremde. (hg) von Burkhardt Krause, Stuttgart 1992. S. 73.
[2] Otto von Freising, Gesta Frederici seu rectius Cronica, Hg. Von F.J. Scemale : Ausgewählte Quellen zur deutshcen Geshichte des Mittelalters, 17, 1 I, S.193.
[3] Andreas Mielke : Nigra sum et formosa. Afrikanerinnnen in der deutschen Literatur des Mittelalters, 1992 Stuttgart, 72.
[4] Wilhelm von Rubruck : Reise zum Großkhan der Mongolen. Von Konstantinopel nach Karakorum, 1253-1255, S.69
[5] Wilhelm von Rubruck : Reise zum Großkhan der Mongolen. Von Konstantinopel nach Karakorum, 1253-1255, S.64.
[6] Johann Caspar Lavater : Physiognomische Fragmente, 1775, Reclam, S.325.
[7] Dave Williams : Misreading the Chinese Character. Images of the Chinese in Euroamerican Drama to 1925, Newyork 2000, S.190.